Beginen waren fromme Frauen, die ein religöses Leben führten, ohne einem Orden anzugehören (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S. 32). Beginen sind in Zusammenhang mit der religiösen Frauenbewegung des 13. Jhs. zu sehen. Die Abgrenzung zu Nonnen und Stiftsdamen ist unscharf. Oft ist das 'Beginentum' ein Durchgangs- oder Vorstufe zur späteren klösterlichen Lebensform - wie das bei Hemma der Fall ist. Die Anfänge der Bewegung sind ungeklärt (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S. 59).

 

Das 13. Jh. war im Gebiet der heutigen Schweiz die Zeit der religiösen Frauenbewegung. Ihr Hauptverbreitungsgebiet war der deutschsprachige Teil des Landes (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S. 57). Die Mehrzahl der Konvente liegt in der Diözese Konstanz. Im Zeitraum von 1230 - 1300 entstanden in der heutigen Schweiz drei Arten von Frauenkonventen: 1. Nonnenklöster verschiedener Orden; 2. Klosterkonvente ohne formalrechtlichen Anschluss an einen Orden (nicht-inkorporierte Konvente) und 3. Beginensamnungen (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S. 45).

 

Die Bezeichnung Begine (Beghine) ist in der Schweiz als artifizieller Sammelbegriff zu sehen. In den Quellen werden die frommen Frauen vornehmlich als (graue oder blaue) Schwestern bezeichnet, basierend auf der Farbe ihrer Kleider. Spies (1998) zeigt, dass in den Quellen die Frauen Schwestern oder arme Schwestern, Seelfrauen, arme Fraume oder feminae religiosae genannt werden. Der Ursprung der Bezeichnung Begine ist nicht geklärt. Etymologisch könnte er mit der beigen Farbe der für die Armutsbewegung charakterisitschen Kleidung aus ungefärbter Wolle verbunden sein.

 

Ebenso gab es keine spezifische religiöse Frauenbewegung, sondern Frauen nahmen an der allgemeinen religiösen Bewegung starken Anteil. Die frühesten Klöster der alemannischen Schweiz waren Schänis (SG) und St. Felix und Regula in Zürich. In der zweiten Hälfte des 11. Jhs. entstanden viele Doppelklöster. Im Thurgau Fischingen und Wagenhausen (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III).

 

Die Schwesterngemeinschaften werden auch Beginensamnungen genannt. Sie waren sehr unterschiedlich (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S. 51). Es scheint, dass die frühesten Beginengemeinschaften in der Schweiz sich aus religösen Laiengemeinschaften entwickelt haben, die sich um Klöster oder um eine Kapelle beim Hauptort des Tals sammelte, wie z.B. um die Sankt Annakapelle in Tänikon. Die frühesten Beginengemeinschaften entstanden in ländlichen Regionen - nicht in den Städten. Die ersten städtischen Beginen lebten in grosser Zahl als Einzelbeginen (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S. 69). Notlösung für weniger bemittelte Frauen bei denen die Beginenideale des Daseins für andere und der freiwilligen Armut vielleicht nicht immer freiwillig waren ... Die soziale Herkunft ist unklar. Spies (1998) nimmt an, dass in der Frühzeit bis Mitte des 14. Jhs. die Frauen hauptsächlich aus dem ländlichen Adel, dem Stadtpatriziat und dem gehobenen Bürgertums entstammten. Wilts (1994) hat gezeigt, dass im Bodenseeraum keine Regelmässigkeiten in der sozialen Herkunft festgestellt werden können; die Frauen wollten ein religiöses Leben führen abseits der vorgegebenen und weitgehend erstarrten Formen weiblicher Religiosität. 

Gemäss Spies (1998, S.23) existierte das Beginentum im Bodenseegebiet bereits vor 1228. Besonders in der Frühzeit des Beginentums lebten die frommen Frauen einzeln, bzw. zu zwei oder zu dritt. Gemeinschaften bildeten sich in der Regel erst später Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S.58). Spies (1998, S.26) führt aus, dass im 12. Jhd. die Marienverehrung in der Kirche zunahm und mehr Frauen als Heilige verehrt wurden. Die Beginen eiferten dem Vorbild Marias und Marthas nach: Martha, die Kranke und Arme versorgte - Maria, die sich der Kontemplation hingab. Seit dem Ende des 11. Jhs. vereinigte die Gottesmutter beide Teile: die vita contemplativa und die vita activa.

 

Die Beginen waren eng mit ihrer Pfarrkirche verbunden, die das religiöse Lebens bestimmte. Den Status der Beginen als Semireligiose legt 1216 Papst Honorius III. fest, als er auf Bitten des Augustinerchorherrn Jakob von Vitry den religiösen Frauen in Frankreich und Deutschland erlaubte, in Gemeinschaftshäusern zusammenzuleben und sich religiösen Zielen zu widmen, ohne einen eigenen Orden zu gründen (Spies, 1998).

 

In der Schweiz wurden alle Samnungen, die von 1228 bis vor 1240 gegründet wurden oder erstmals erwähnt sind, in klösterliche Konvente umgeformt (Helvetia Sacra, 1982, Bd. III, S. 52). So auch die Beginensamnung von Tänikon. Die Gründe für eine Inkorporation in einen Orden bleiben ebenso im Dunkeln wie die Entstehung des Beginentums (Rahn & Nater, 1906).